Wertvolles - oder die vier Köstlichkeiten


Hallelujah


    

 

 

 

Bohnen zählen...

Es war einmal eine sehr alte Frau, die glücklich und zufrieden lebte. Viele Menschen beneideten sie, weil sie eine echte Lebenskünstlerin war. Die alte Frau verliess niemals ihr Haus ohne eine Handvoll getrocknete, weisse Bohnen mitzunehmen. Sie tat dies nicht etwa, um die Bohnen zu kauen, nein, sie steckte sie einfach in die rechte Tasche ihrer Jacke. Jedes Mal, wenn sie tagsüber etwas schönes erlebte – den Sonnenaufgang, das Lachen eines Kindes, eine kurze Begegnung, ein gutes Mahl, einen schattigen Platz in der Mittagshitze nahm sie dies ganz bewusst wahr, freute sich darüber von Herzen und liess eine Bohne von der rechten Tasche in die linke gleiten. War das Erlebnis besonders schön und gar überraschend, wechselten zwei oder drei Bohnen die Seite. Abends sass die alte Frau dann zu Hause und zählte die Bohnen aus der Tasche. Sie zelebrierte dies geradezu und führte sich so vor Augen, wie viel Schönes ihr an diesem Tag widerfahren war. Und auch an einem Abend, an dem sie bloss eine Bohne zählen konnte, war der vergangene Tag ein gelungener Tag – es hatte sich zu leben gelohnt.

 

 

Neujahrsgebet


schneebuddha


Herr, setze dem Überfluss Grenzen

Und lasse die Grenzen überflüssig werden.


Lasse die Leute kein falsches Geld machen,

Aber auch das Geld keine falschen Leute!


Nimm den Ehefrauen das letzte Wort,

Und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.


Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit

Und der Wahrheit mehr Freunde.


Bessere solche Beamten, Geschäfts– und Arbeitsleute,

die wohl tätig,

Aber nicht wohltätig sind.


Gib den Regierenden ein besseres Deutsch

Und den Deutschen eine bessere Regierung.


Herr, sorge dafür, dass wir alle in den

Himmel kommen,

Aber nicht sofort. Amen.


Pfarrer Hermann Kappen von St. Lamberti zu Münster, 1883


(Das Foto des lachenden Buddhas ist von Marion Reckow-Memmert)

 

Bodhisattva in der Metro