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Moralische Ambition

Moralische Ambition nennt Rutger Bergman, niederländischer Historiker, das 2024 erschienene Buch zum menschlichen Willen, die Welt zu verbessern resp. vergleichenden Betrachtungen zu entsprechenden Vertreter*innen unserer Spezies. Zugleich räumt er statistisch sowohl mit allzu bequemen Vorurteilen auf, die wohl die grosse Mehrheit davon abhalten, sich zu engagieren, als auch mit Illusionen, die wir regelmässig bei vor allem lauten Aktivist*innen beobachten können, die trotz grossem Effort wenig bewirken.

Was also funktioniert? Was haben Menschen gemeinsam, die Enormes geschafft haben?

Zunächst geht es dabei um Gutes im Sinne des echten Verbesserns von Umständen für andere Menschen, medizinisch, sozio-ökonomisch, ökologisch, um Engagements für Bildung, Menschenwürde und -rechte, Erhaltung von Natur und natürlichen Lebensräumen, was streng abzugrenzen ist von allein technisch Möglichem oder schlicht Profit- oder Bekanntheitsdienlichem.

Hat man die wichtige Welt-Frage gefunden, für die man sich engagieren möchte, so verbindet die von Bergman referenzierten ambitioniert Erfolgreichen, dass sie trotz der Grösse der Aufgaben glauben, etwas bewirken zu können. Hierfür zieht Bergman auch das Pareto-Prinzip des 80-20-Verhältnisses heran: Grosses wird statistisch von kleinen Anteilen oder Minderheiten bewirkt. Sie sind nicht die einzig Wissenden, aber diejenigen, die handeln. Unterstützer*innen finden sie, indem sie andere Menschen aktiv um Unterstützung fragen. Menschen lassen sich inspirieren und kommen ins Tun. Und das wäre der entscheidende Punkt:

Problem-Bewusstsein allein wird gemäss Bergman genauso überschätzt wie blosse gute Absichten oder «die richtigen Gründe»: Wirksamkeit braucht über das Bewusstsein für ein Problem hinaus die Bereitschaft, etwas (selbst) zu tun und zu den guten Absichten dann eben auch Ressourcen. Erfolgreiche Weltverbesser*innen erschliessen diese oftmals, indem sie taktisch vorgehen, eigene Fähigkeiten gezielt aufbauen und z.B. breitere Koalitionen finden, deren Mitglieder dann aus anderen Gründen beitragen. Bergman spricht von «realistischem Idealismus».

Dieser kennt übrigens vielfältigste Rollen: Alle Berufe, Talente und Fähigkeiten zählen, Ambition ist mit Bergman «blosse Energie». J.K. Rowlings Schuldirektor Dumbledore bringt es gegenüber Harry Potter auf den Punkt: «Nicht unsere Fähigkeiten zeigen, wer wir sind. Es sind unsere Entscheidungen.»

Ein frohes und ambitioniertes 2026!