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Ausbildungsinstitut perspectiva

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Hirn statt Moral

«Hirn statt Moral» fordert Liya Yu in ihrem, dieses Jahr erschienenen, gleichnamigen Buch, mit dem sie eine Art zerebrale Aufklärung betreibt. Denn unsere menschlichen Gehirne tun sich «mit Toleranz und Diversität anderer ethnischer und kultureller Gruppen genauso schwer wie mit Fake News, langwierigen demokratischen Entscheidungsprozessen und den Gefahren des Klimawandels».

Moralische Appelle bringen Menschen allerdings gerade nicht ins Handeln, sondern führen dazu, dass sie «in Fatalismus, Zynismus oder Apathie versinken», «komplett abschalten» und Populisten oder Aktivisten Zulauf bescheren.

Der Grund liegt gemäss Yu in «kognitiven Mechanismen», die unserer evolutionären Vergangenheit entstammen, in der Menschen «in kleinen sozialen Gruppen gegen andere Gruppen um Ressourcen kämpften». Die Kategorisierung von «In»- und «Out-«Gruppen, sowie die affektive Einordnung von Menschen in solche Gruppen, denen wir uns dann entweder zugehörig fühlen oder uns abgrenzen, liegt uns.

Prozesse, die Yu als «Dehumanisierung der Out-Gruppen» beschreibt, führen u.a. dazu, dass wir «weniger bereit sind, ihren Mitgliedern einen moralischen Regelverstoss zu verzeihen, während wir das bei unserer In-Gruppe sehr wohl tun.» In Verbindung mit realer oder mutmasslicher Ressourcenknappheit und Krisen, «können diese kognitiven Mechanismen bis ins Extreme eskalieren und zu Massengewalt führen.»

Rationale Entscheidungsfindung, gesellschaftlich verantwortliches Handeln, die Wiederbelebung des Gedankens eines kooperativen Gesellschaftsvertrags zum Wohle aller, brauchen dagegen mehr als emotional affektiven Rückzug oder Feindseligkeit.

Liya Yu nennt das neurobiologische Rezept, wie man «in den Köpfen von Menschen ankommt, die man mit Moralargumenten oder Fakten nicht mehr erreicht», Mentalisieren oder die «neuropolitische Strategie der Humanisierung». Sie meint damit, den Rückbau der Gruppen-Etikettierungen zugunsten der Wahrnehmung der Interessen und Perspektiven der verschiedenen Einzelnen, sowie klimapolitisch der Verflechtung von uns allen in unserem je lokalen Teil des globalen Ökosystems.

Genau hier setzen Mediation und Gewaltfreie Kommunikation an: Anstelle Positionen zu debattieren, fragen sie nach, welches die Interessen und Bedürfnisse der jeweils Beteiligten sind, um die konkreten Handlungsspielräume zu finden, in denen sie wirksam sein können. Diese Vorgehensweisen in Politik, Medien, Pädagogik, Wirtschaft etc. systematisch zu integrieren, könnte Perspektiven eröffnen und uns alle weiterbringen.