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Ausbildungsinstitut perspectiva

Bilderwechsel

Sommer, Ferien, Urlaub, Reisen sind immer auch verbunden mit einem Bilderwechsel: andere Orte, Landschaften, Architektur, andere Menschen. Allein darin liegt unglaubliches Potential.

Der deutsche Benediktinerpater und Autor Anselm Grün schreibt in seinem Buch «Die heilsame Kraft der inneren Bilder»: «Bilder haben mehr Wucht und eine grössere Kraft als Worte. Sie können Seelen tief berühren und Emotionen bewegen wie wenig sonst.»

In unserem Alltag werden wir häufig von Bildern überflutet, die medial auf uns einprasseln: Nachrichten, Werbung, Meinungsmache. Grün warnt, dass sie als ungebremste und ungefilterte Masse innere Bilder überlagern und den Menschen überfordern, ihn daran hindern, mit seiner eigenen Tiefe in Berührung zu kommen. Zudem wirken die äusseren Bilder meist unreflektiert auf die Seele ein und beeinflussen uns, können aufwühlen, benebeln, verleiten.

Insofern sind Ferien auf jeden Fall verbunden mit einem Unterbruch und – im Fall eines Ortswechsels - anderen Umgebungsbildern, die uns hoffentlich gut tun und schöne Assoziationen wecken. Die Weite des Himmels und der Landschaft, das Blau des Meeres oder des Sees, wunderschöne Gärten, geschichtsträchtige Burgruinen, ein unterirdischer Höhlensee können anregende Bilder sein, die innerlich viel weiter wirken als im unmittelbaren Moment.

Sie können Resonanz erzeugen, Ruhe bewirken, Nachdenken über innere Bilder und Prägungen in Gang setzen, den Menschen mit sich wieder in Verbindung bringen.

Nicht nur in der Psychotherapie, auch in Mediation, Coaching und Supervision spielen die inneren Bilder von Menschen eine grosse Rolle: Welche Bilder tragen wir in uns, von Rollen wie Vater oder Mutter, aber auch Berufen und Positionen, Beziehungen, Sozialgebilden und Kulturen, welche Vorbilder, Urbilder, Visionen. Deren Erforschung, Bewusstmachung, Stärkung oder Ablösung und die Imagination von Veränderung über neue Bilder sind wichtige Anknüpfungspunkte - und echte Arbeit.

Insofern liegt in Ferienbildern und Bilderferien inspirierende Kraft, die wir bewusst nutzen und mitnehmen können in den Alltag.

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Von künstlicher und menschlicher Intelligenz

«Die Geistesgegenwart zu behalten bedeutet, unsere Kognition nicht einfach auszulagern», schreibt Richard David Precht in seinem Buch: Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens.

Maschinen können zwar ungleich besser rechnen, kalkulieren und grösste Datenmengen verarbeiten. Aber die «Lektion des Computers ist nicht, dass er uns bald ersetzt, sondern das zu entdecken, bei dem er uns nicht ersetzen kann».

Menschliche Intelligenz ist eben gerade nicht in erster Linie logisch, streng rational und regelbasiert, sondern durchzogen von Gefühlen, Intuition, Spontanität, Assoziation. Bedeutungen werden nicht logisch erschlossen, sondern aus dem situativen Kontext abgeleitet, mit feinem Sinn für Stimmungen, komplexe Zusammenhänge, unter Einbezug von Lebenserfahrung und Haltungen: Wir nehmen unsere Umwelt nicht nur wahr, wir konstruieren sie als Sinnzusammenhänge.

Die Frage nach dem Umgang mit KI ist für Precht daher v.a. eine «Bildungsfrage», nämlich als Menschen und Gesellschaften zu «lernen, intelligenter mit Computern umgehen». Eine Frage, die sich angesichts eines Kommerz getriebenen «Diktats des Schneller, Höher, Weiter», einer «Algokratie» (auf Algorithmen basierende Herrschaftsform), unreflektiertem «Datatismus» und der Zerstörung menschlicher Lebensgrundlagen dringlichst stellt.

Es gelte, die Mittel – wie Innovation, Rationalität, Effizienz und Fortschritt – nicht länger per se als Ziele zu akzeptieren, sondern neu auszurichten. Rationalität allein biete keine Anleitung für ein gelingendes Leben. Glück, Zufriedenheit, Sinn sind für Menschen das, als was sie sich anfühlen, so wie Wohlstand, Frieden, Rechtsstaatlichkeit, Brüderlichkeit, Freiheit gesellschaftliche Ziele sind, die Sinn stiften.

Um Fortschritt und Humanität neu aufeinander zu beziehen, braucht es allerdings mehr als Programmier*innen und selbstlernende Superintelligenz. Es braucht v.a. reflexive Praxen und «gesunden Menschenverstand».

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Von Gegenwartsschrumpfung und Zeit-Inseln

Der Soziologe Hartmut Rosa zeichnet in «Beschleunigung und Entfremdung» ein düsteres Bild der gegenwärtigen Gesellschaft, in der sich Beschleunigung selbst antreibt, zeitliche Normen unbemerkt dominieren und soziale Entfremdung zunehmend Konzepten «guten Lebens» entgegensteht.

Die enorm gesteigerte Geschwindigkeit von Transport-, Kommunikations- und Produktionsprozessen lassen auch soziale Orientierungsmuster und Konstellationen instabil und kurzlebig werden. Rosa spricht von beschleunigtem Verfall der Verlässlichkeit: Erfahrungs- und Erwartungshorizonte verkleinern sich, Stabilität und Orientierung sinken, die sicher überschaubare «Gegenwart schrumpft».

In der Wahrnehmung von Individuen zeigt sich die Beschleunigung auch als Zunahme des Lebenstempos: Wir tun markant und messbar mehr in weniger Zeit.

Dabei sind die zentralen Antreiber für Rosa nicht etwa die Technik selbst, sondern die sozialen Logiken von Wettbewerb und Leistung als vorherrschende gesellschaftliche Prinzipien. Diese werden in einer säkularen Gesellschaft noch verstärkt: Wenn die zentrale Bedeutung dem Leben vor dem Tod zugeschrieben wird, richtet sich alles Streben auf Angebote und Möglichkeiten dieser Welt, die maximal ausgekostet werden müssen.

Paradoxerweise werden wir von der durch die Beschleunigung explodierenden Zahl an Optionen im Verhältnis immer weniger davon realisieren und mehr verpassen, egal wie schnell wir werden.

Da in unserer pluralistisch komplexen Gesellschaft aber bindende soziale und kulturelle Normen erodieren, sind unbemerkt zeitliche Normen als eine «Rhetorik des Müssens» bestimmend geworden. Das Fehlen gesellschaftlich leitender Visionen führt daher zu Wahrnehmungen von individuellem Leben als «Hamsterrad» sowie gesellschaftlichem Wandel als «rasendem Stillstand», so Rosas Metaphern für ziel- und richtungsloses Schneller und Weiter. Entsprechende Entfremdungserscheinungen und Pathologien sind die Folge, wie z.B. Burnout und Depressionen auf individueller und undurchdacht-impulsiver politischer Aktionismus auf gesellschaftlicher Ebene.

Hartmut Rosa belässt es – gut soziologisch – bei der Gegenwartsdiagnose. Es ist an uns, auf dieser Basis weiterzudenken. Als Mediatorin und Supervisorin erlebe ich z.B. diese Formate, aber auch Weiterbildung, als wertvolle Zeit-Inseln, die Menschen anregen, über eigene Kontexte zu reflektieren, sich auszutauschen, Orientierung und sinnhafte Schritte zu finden. Ich meine, wir brauchen mehr davon.

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Leise rieselt der Schnee

Advent und Weihnachten künden davon, dass grosse Veränderungen unmerklich aus dem Kleinsten erwachsen, das Besondere am Rande des Alltäglichen erscheint, wo wir es leicht übersehen.

In einer überwältigend lauten Welt ist nicht nur die Hoffnung, dass viele zukunftsträchtige Bewegungen leise wachsen. Wenn wir den Blick darauf richten, die leisen Töne wahrnehmen, erscheinen sie: Aufforstungsprojekte und Finanzierung des Schutzes von Regenwald, neue Methoden, Mikroplastik aus Kläranlagen zu filtern, erfolgreicher Artenschutz, Klimaschutzgesetze in weiteren Ländern, breite Stadtökologische Projekte, die sich erholende Ozonschicht dank weltweiter FCKW-Verbote, Integrations-Projekte für Geflüchtete und viele mehr.

Leise heisst nicht schwach: Im stillen Vorziehen des Machbaren, im konsequenten und tatsächlichen Handeln in der eigenen Reichweite und im Anerkennen von Tatsachen liegt vielleicht grössere Wirksamkeit als im lauten Anrennen und polemischen Aufschub. Und auch das ist Weihnachten, den Rahmen wechseln, wenn es notwendig ist: Weil die Herbergen voll waren, nicht erreichbar, das Anliegen aber dringend, geht die werdende Familie andere Wege, orientiert sich notgedrungen neu.

Wenn mit vernunftgeleitetem Mass der breiten Konsum-Massen nicht zu rechnen ist, sind regulatorische Rahmen unabdingbar. Wenn (einzelne) Nationalstaaten für Abkommen im Moment nicht adressierbar sind, so wären es allenfalls ihre Regionen oder andere Akteure. Wenn am Markt gemeinnützige und ökologische Werte geflissentlich übersehen werden, gilt es, sie systematisch einzupreisen.

Frieden und Verständigung, planetare Ethik und Umweltschutz, fairer Handel und sinnhafte Arbeits- und Gesundheitsstrukturen sind keine statischen Grössen, sondern dynamische Prozesse. Sie wachsen dort, wo wir sie leben, gestalten, je vielfältiger und breit getragen, desto besser. Am besten dicht wie fallender Schnee.

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Moralische Ambition

Moralische Ambition nennt Rutger Bergman, niederländischer Historiker, das 2024 erschienene Buch zum menschlichen Willen, die Welt zu verbessern resp. vergleichenden Betrachtungen zu entsprechenden Vertreter*innen unserer Spezies. Zugleich räumt er statistisch sowohl mit allzu bequemen Vorurteilen auf, die wohl die grosse Mehrheit davon abhalten, sich zu engagieren, als auch mit Illusionen, die wir regelmässig bei vor allem lauten Aktivist*innen beobachten können, die trotz grossem Effort wenig bewirken.

Was also funktioniert? Was haben Menschen gemeinsam, die Enormes geschafft haben?

Zunächst geht es dabei um Gutes im Sinne des echten Verbesserns von Umständen für andere Menschen, medizinisch, sozio-ökonomisch, ökologisch, um Engagements für Bildung, Menschenwürde und -rechte, Erhaltung von Natur und natürlichen Lebensräumen, was streng abzugrenzen ist von allein technisch Möglichem oder schlicht Profit- oder Bekanntheitsdienlichem.

Hat man die wichtige Welt-Frage gefunden, für die man sich engagieren möchte, so verbindet die von Bergman referenzierten ambitioniert Erfolgreichen, dass sie trotz der Grösse der Aufgaben glauben, etwas bewirken zu können. Hierfür zieht Bergman auch das Pareto-Prinzip des 80-20-Verhältnisses heran: Grosses wird statistisch von kleinen Anteilen oder Minderheiten bewirkt. Sie sind nicht die einzig Wissenden, aber diejenigen, die handeln. Unterstützer*innen finden sie, indem sie andere Menschen aktiv um Unterstützung fragen. Menschen lassen sich inspirieren und kommen ins Tun. Und das wäre der entscheidende Punkt:

Problem-Bewusstsein allein wird gemäss Bergman genauso überschätzt wie blosse gute Absichten oder «die richtigen Gründe»: Wirksamkeit braucht über das Bewusstsein für ein Problem hinaus die Bereitschaft, etwas (selbst) zu tun und zu den guten Absichten dann eben auch Ressourcen. Erfolgreiche Weltverbesser*innen erschliessen diese oftmals, indem sie taktisch vorgehen, eigene Fähigkeiten gezielt aufbauen und z.B. breitere Koalitionen finden, deren Mitglieder dann aus anderen Gründen beitragen. Bergman spricht von «realistischem Idealismus».

Dieser kennt übrigens vielfältigste Rollen: Alle Berufe, Talente und Fähigkeiten zählen, Ambition ist mit Bergman «blosse Energie». J.K. Rowlings Schuldirektor Dumbledore bringt es gegenüber Harry Potter auf den Punkt: «Nicht unsere Fähigkeiten zeigen, wer wir sind. Es sind unsere Entscheidungen.»

Ein frohes und ambitioniertes 2026!

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